Schulfotografie Skandal – eine lange Bestechungstradition wird aufgedeckt

 

Schulfotografen kommen jährlich in manche Schulen um jedes Kind abzulichten und die Bilder an die Eltern zu verkaufen, die diesen Service gern annehmen. Die Schulen und Kindergärten sind also eine wahre Goldgrube für die Fotografen: Häufig mehrere hundert Kinder werden an einem Tag einzeln und als Klasse abgelichtet – so viel Kundschaft in derselben Zeit in ein Fotostudio zu locken ist kaum vorstellbar. Dass diese Jobs heißbegehrt sind, kann man sich von daher denken.

Das Bundeskriminalamt gab nun preis, dass mehr als 50 % der bundesweit registrierten Korruptionsstraftaten im Jahr 2014 aus dem Gebiet der Schul- und Kindergartenfotografie stammen. Erfahren Sie jetzt mehr über diesen Schulfotografie Skandal!

 

Schulfotografie Skandal – Zuwendungen für Aufträge

 

Das Bundeskriminalamt (BKA)berichtet von insgesamt 20.263 Korruptionsstraftaten in ganz Deutschland in seinem Bundeslagebild Korruption 2014. Im Vergleich dazu wurden 2013 nur 7030 solcher Straftaten registriert. Der Zuwachs von 190 Prozent erklärt sich zu großen Teilen aus zwei Korruptions-Ermittlungskomplexen aus Bayern, bei denen es um die Erteilung von Fotografie-Aufträgen an Schulen und Kindergärten geht. Insgesamt 10.480 Korruptions-Straftaten aus dem Jahr 2014 stehen damit in Verbindung.

Die Verantwortlichen der betroffenen Bildungseinrichtungen trafen finanzielle Absprachen mit Firmen, die Schulfotografen vermitteln. Um einen Auftrag zu erhalten, sollen die Firmen den Kindergarten- und Schulleitungen einen Geldbetrag für jedes fotografierte Kind angeboten haben. Spekuliert wird auch über „geschenkte“ Wertgegenstände, Tablets oder PCs seitens der Fotografenfirmen sowie über „Aufwandsentschädigungen“, die direkt in das Portemonnaie der Schul- der Kindergartenleitung gingen.

 

Schulfotografie Skandal – warum ein so großer Zuwachs an Korruptionsaufdeckung?

 

Warum wird ausgerechnet jetzt der Schulfotografie Skandal aufgedeckt?

Alles scheint darauf hinzuweisen, dass diese oben beschriebene Korruptions-Praxis zwischen Schulen und Fotografen schon eine langjährige Tradition hat. Auf einmal wird sie nun in gesteigertem Maße verfolgt.

Grund dafür ist ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom Mai 2011, das die Bestechungsdefinition verschärfte: „Gemäß § 334 Abs. 3 Nr. 2 StGB macht sich unter anderem bereits derjenige wegen Bestechung strafbar, der einem Amtsträger einen Vorteil anbietet und versucht, diesen hinsichtlich einer Handlung, die in dessen Ermessen steht, bei der Ermessensausübung zu beeinflussen. Die Beauftragung eines Schulfotografen ist eine derartige Ermessenshandlung.“

Die Ermittlungsbehörden haben Methoden entwickelt, wie  sie Schulen und Kindergärten nach möglichen Korruptionsvorfällen durchscreenen können, mit Erfolg.

 

Schulfotografie Skandal – Ländern warnen vor Bestechung!

 

In Bayern wurden inzwischen „Zuwendungen“ in Bezug auf Schulfotoaktionen verboten. Das Landeskriminalamt von Nordrhein-Westfalen warnt ebenfalls davor.

Als Alternative zu Schmiergeldern wird Schulen in verschiedenen Bundesländern das Werben um Drittmittel und Sponsorengelder empfohlen.

Um sich vor einen Schulfotografie Skandal mit Korruptionsvorwurf zu schützen, wird Schulen außerdem nahe gelegt, sich Angebote verschiedener Fotografen einzuholen und diese Angebote mit dem Schulträger zu besprechen.

Kommentar schreiben

0 Kommentare


Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.