Wo sind die Fotos, wenn man sie braucht?

 

Wenn auch mit zeitlicher Verzögerung berichten die verschiedenen Medien derzeit von den Massen an sexuellen Belästigungen, die in der Silvesternacht in Köln, Hamburg und Stuttgart begangen worden sind.

In vielen Fällen lief das so ab: Eine große Anzahl Männer gruppierte sich um eine oder wenige Frauen, fasste diese an primären und sekundären Geschlechtsteilen an, entkleidete sie und raubte sie dabei aus. Das alles fand wiederholt an von Menschenmengen überströmten Orten statt. Aussenstehende konnte durch die große Männer-Gruppe hindurch vielleicht nicht eingreifen, um den Frauen zu helfen. Sicherlich hatten aber viele der Passanten mobile Geräte mit Kamerafunktion dabei. Kaum vorstellbar, dass diese nicht genutzt wurden und dabei – über die Köpfer der Täter hinweg – das ein oder andere Beweisfoto entstanden ist.

Wo sind die Fotos, die die Täter entlarven? Warum wird nicht öffentlich mit den Fotos oder Phantombildern nach den – je nach Quelle bis zu 1000 – Tätern gefahndet? Lediglich fünf Verhaftungen soll es bisher geben.

 

Wo sind die Fotos? Warum die digitale Bilderebbe der Straftaten?

 

Die Polizei fühlt sich scheinbar machtlos, weil durch die große Gruppe von Tätern, einzelne nicht zur Rechenschaft gezogen werden können. Wer hat nun gegrabscht, gestohlen oder „nur“ blockiert? Wer war nur zufällig anwesend? Könnten Beweisfotos und Videos die Strafverfolgung der grausamen Sexualstraftäter erleichtern?

Im Internet wird besprochen, aus welchem Land die Täter kommen, welchen Aufenthaltsstatus sie haben und was das für Rückschlüsse und Verallgemeinerungen erlauben könnte.

Dabei geht es doch um Individuen, die, wenn nicht wegen sexueller Belästigung und Raub, dann doch wegen Beihilfe oder wenigstens unterlassener Hilfestellung angeklagt werden könnten. Hätte man Beweisfotos und -videos, wäre eine Fahndung, Verhaftung oder Verurteilung möglicherweise wesentlich einfacher durchzuführen.

Haben die Augenzeuge vielleicht selbst Angst vor einer Klage wegen unterlassener Hilfestellung? Angst als Gaffer bezeichnet zu werden?

Haben die Medien Angst, weil mit der Veröffentlichung von Tatbildern, das Recht am eigenen Bild der Täter, Opfer und Beisteher verletzt werden könnte? Angst vor einem Rufmord-Vorwurf?

Hat die Polizei Angst vor Selbstjustiz der sich machtlos fühlenden Gesellschaft und verbietet darum die Veröffentlichung?

Wo sind die Fotos? Nur wenige Augenzeugen-Bilder von den Tätern kursieren im Internet. Diese wenigen Fotos sind anonymisiert, wie zum Beispiel hier in diesem Bild-Artikel.

 

Wo sind die Fotos? Wo sind die Namen?

 

Vielleicht würde das Veröffentlichen von Tatzeugenfotos nicht helfen, vielleicht sogar schaden?

Fest steht: Wenn man den einzelnen Tätern keine Gesichter und Namen gibt, gehen sie in der Masse unter, fühlen sich sicher, begehen erneut ähnliche Straftaten. Außerdem wird eine gesamte Völkergruppe unter Generalverdacht gestellt, wenn die Täter einfach nur als Gruppe „Nordafrikaner“ bezeichnet werden. Haß, Vorurteile und die Angst vor dem Fremden werden geschürt. Und niemand wird verurteilt.

Es wurde berichtet, dass einige der Täter der Polizei bekannt sind. Es gibt also sicherlich auch Polizeifotos. Wo sind die Fotos und die Namen?

 

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2 Kommentare


  1. philEOS

    Es mag der Redakteurin einer Foto-Website angemessen erscheinen, selbst zu solch schrecklichen Vorfällen wie in Köln und anderswo an Silvester Zeilen zu schinden, in denen der Fotografie eine Art Zaubermacht zugesprochen wird. Allein die SIEBENmal vorgebrachte rhetorische Frage „Wo sind die Fotos?“ entfaltet einen enormen suggestiven Druck, daß doch mindestens jeder der auf dem Domplatz Anwesenden mindestens zwei Kameras oder Handys habe mitlaufen lassen, sich nun aber merkwürdigeweise scheut, sein unersetzliches Bildmaterial zur Aufklärung der Straftaten öffentlich zu machen.

    Ich denke mal, Frau Schwartz will mit diesem Aufruf wachrütteln.
    Ich denke mal, Frau Schwartz war mit ihrem Kamerapark nicht vor Ort, sonst wären alle Straftäter bestimmt schon hinter Gittern.
    Ich denke mal, was am Ende des Artikels noch fehlt, ist der Aufruf, die angeforderten Fotos auf piqs.de hochzuladen unter der Zusicherung, daß sie an der EB vorbei geschleust und mit garantierten fünf Sternen bewertet werden.

    Obwohl – wer braucht bei eniem solchen Niveau noch Sterne???
    fragt sich philEOS

    • Anna

      Lieber PhilEOS. Auf Piqs.de haben die Fotos nichts verloren. An Zaubermacht glaube ich übrigens auch nicht – das ist eine sehr suggestive Vermutung Ihrerseits. Fotos haben aber eine kommunikative Funktion. Ich zweifele allerdings selbst daran, insofern verstehe ich Ihren Einwand, dass diese Website die richtige ist, um das Thema anzuschneiden. Der Artikel war wohl ein Versuch dem Gefühl der Machtlosigkeit zu entkommen. Ich freu mich, dass Sie meine Artikel lesen und sich kritisch damit auseinandersetzen und werde mich künftig zweimal fragen, wie angemessen ein Thema für diesen Blog ist.

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